Josef Breitbach

Schriftsteller

geboren: 20. September 1903 in Ehrenbreitstein
gestorben: 9. Mai 1980 in München

Josef Breitbach konnte auf ein äußerst reiches Schriftstellerleben zurückblicken. 1903 geboren, war er alt genug, den Ersten Weltkrieg bewußt zu erleben, die Besatzungszeit im heimatlichen Koblenz, die turbulenten politischen und kulturellen Entwicklungen der Zwischenkriegszeit, das Leben der deutschen Emigranten in seiner nunmehrigen Wahlheimat Frankreich, sodann den Zweiten Weltkrieg, versteckt und auf der Flucht, und nach dessen Ende die Wiederannäherung seiner beiden Heimatländer und die Entwicklung zweier neu entstehenden Republiken.

Joseph Breitbach

Breitbachs Auftreten im literarischen und politischen Leben der Weimarer Republik - als Vertreter der "jungen Generation" und, je nachdem, wie man diesen Begriff gebrauchen möchte, der "Neuen Sachlichkeit" (Breitbach selbst sah sich als engagierter Schriftsteller in Opposition zur "Sachlichkeit") - leitete den Werdegang eines deutschen Schriftstellers ein, die frühen Kontakte zum kulturellen Frankreich bestimmten ihn zu einem Vermittler der französischen Kultur in Deutschland und machten ihn schließlich zu einem französischen homme de lettres. Seit 1929 in Frankreich ansässig und schon halb der französischen Nation zugehörig, teilte er dennoch das Schicksal der deutschen Emigranten, die seit 1933 Paris überfluteten, unter denen er allerdings eine Außenseiterposition einnahm. Als 1940 Frankreich von Hitlers Wehrmacht überrannt wurde, war Breitbach, der gerade noch vergeblich versucht hatte, die französische Staatsbürgerschaft zu erlangen, gezwungen, sich vor den Deutschen zu verstecken. Mit falschen Papieren war er sogar im Auftrag des französischen Generalstabs tätig.

Seine Bücher “Rot gegen Rot” und “Die Wandlung der Susanne Dasseldorf” fielen den Nazis zum Opfer. Am 10. Mai 1933 waren sie unter den Büchern, die auf dem Münchner Königsplatz verbrannt wurden.

Nur wenige Jahre danach, gleich nach Kriegsende, inwischen mit französischem Paß, war Breitbach einer der wichtigsten Streiter für die deutsch-französische Versöhnung. Nicht zuletzt durch seine Position innerhalb zweier benachbarter Gesellschaften und Kulturen wurde er im Laufe der Jahre mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten nicht nur des literarischen Lebens in Deutschland und Frankreich bekannt und befreundet, die seine Biographie so interessant machen; der umfangreiche Briefwechsel im Deutschen Literaturarchiv in Marbach gibt dafür Zeugnis.

Breitbach wollte immer in erster Linie durch sein Werk als Schriftsteller im Gedächtnis bleiben und weniger durch Aspekte seiner Biographie, die in der Öffentlichkeit allerdings mehr Aufmerksamkeit erfahren haben. Ohne Zweifel hat seine Weigerung, über seine Biographie Auskunft zu geben, einen nicht geringen Anteil daran, daß sich um sein Leben bald Legenden zu ranken begannen, allem voran die Legenden um den sagenhaften Reichtum des Mannes, der in großbürgerlichem Stil seinen literarischen Salon führte und oft mit beträchtlichen Summen, von denen keiner wußte, wie er zu ihnen gelangt war, andere Schriftsteller und literarische Unternehmungen finanziell unterstützte.

Alexandra Plettenberg hat in einem Aufsatz anläßlich der Ausstellung zum 80. Geburtstag Josef Breitbachs in Koblenz, der auch dieser Internet-Dokumentation als Einleitung dient, mitgeteilt, daß Breitbach "die engen Freunde oft empfehlend wissen [ließ], man könne ja nach seinem Tod die Zusammenhänge und Wahrheiten aufspüren". Nachdem Wolfgang Mettmann 1998 in der Broschüre, in der sich die Stiftung Josef Breitbach der Öffentlichkeit vorstellte, mit der ausführlichen "Biographie in Worten und Werken" einen - nach der Koblenzer Ausstellung - zweiten wichtigen Schritt in diese Richtung getan hat, soll nun diese Internet-Dokumentation zeigen, daß Josef Breitbach nicht nur ein reicher Mann gewesen ist, der auch schrieb.

Josef Breitbach in Wikipedia