Hofstrasse 272 - das Coenen´sche Haus oder Coenenpalais.

Das Haus hat eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich gebracht.
 
Der geheime kurfürstliche Rat Heinrich Ludwig Coenen baute 1714 dieses palaisartige Haus. Es hatte wegen des Hochwassers ein hohes Kellergeschoss und zwei Wohngeschosse mit einer Deckenhöhe von über fünf Metern. Das Gebäude blieb im Besitz der Familie Coenen bis 1801. Danach gehörte es der Familie v. Coll. 1834 kaufte es die Gemeinde Ehrenbreitstein. Es diente nun als Stadthaus, in dem das Bürgermeisteramt untergebracht war. Nach Verlegung der Bürgermeisterei wurde das Haus an die Justizsenatsbehörde vermietet.

Nachdem 1879 der Justizsenat nach Koblenz verlegt wurde, beschloss der Gemeinderat, das Haus zu verkaufen. Einziger Interessent war der preußische Militärfiskus, der es 1880 erwarb.
 
Die großzügige Anlage war von 1881 bis 1891 Kommandanturgebäude und wurde anschließen bis 1918 als Offizierskasino für die Offiziere des Trainbataillons 8 und des Fußartillerieregiments 9 genutzt.
Nach dem ersten Weltkrieg ging das Haus an die Reichsvermögensverwaltung über. Es begann eine Reihe von Beschlagnahmungen. Zunächst durch die amerikanische Besatzungsmacht, wobei ein Teil der Räume von der Heilsarme genutzt wurde. Dann beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht das Haus von 1923 bis 1929, hier war das Kriegsgericht untergebracht.
Nach dem Abzug der Franzosen Ende 1929 stand das Haus einige Jahre leer, bis es von 1933 bis 1936 Sitz der Parteiorganisation der NSDAP war und das “braune Haus” genannt wurde. 1936, nach der Remilitarisierung des Rheinlandes, übernahm die Wehrmacht das Coenenhaus und richtete hier das Divisionsgericht der 34. Infanteriedivision ein, das dort bis zum Kriegsende blieb.
 
Das Gebäude, nach amerikanischem Beschuss im März 1945 teilweise beschädigt, wurde nun erneut von den Amerikanern beschlagnahmt. Sie richteten hier eine Entlausungsstation ein. Jeder, der von der rechten Rheinseite nach Koblenz übersetzen wollte, musste sich hier mit einer Spritze DDT-Pulver “entlausen” lassen. 1946 wurde im Coenenschen Haus eine Arbeitsunterkunft mit Großküche für die von der französischen Besatzungsmacht zum Wiederaufbau herangezogenen auswärtigen Bauarbeiter eingerichtet. Als sich nach 1948, in Folge der Währungsreform, diese Einrichtung nicht mehr rentierte, wurde in einem Teil der Räume eine Jugendherberge eingerichtet. Eigentümerin des Hauses war inzwischen die Bundesfinanzverwaltung.  Arbeiterunterkunft und Jugendherberge wurden 1952 aufgegeben, das Haus in Wohnungen aufgeteilt und an Privatleute vermietet.
 
Ab 1958 mietete das neu geschaffene Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung das Coenen Haus und richtete hier die Textilprüfstelle für sämtliche bei der Bundeswehr verwendeten Textilien ein. Das BWB ließ das Haus vollständig zu seinen Zwecken umbauen. 1994 wurde das Haus vom Bundesamt aufgegeben und nachdem hier noch ein Jahr eine Kindertagesstätte der Caritas untergebracht war, stand es ab 1995 leer.
 
1997 kaufte der Bauunternehmer Gilbert Neuenhofer das Gebäude. Er wollte in Ehrenbreitstein eine Art Haus der Bauwirtschaft etablieren. Architekten, Handwerker, Makler sollten unter einem Dach eigene Büros erhalten. Empfangs- Schulungs- und Besprechungsräume sollten gemeinsam genutzt werden. Zu diesem Zweck wurde das Haus im Innern grundlegend umgestaltet. Kleine Büroeinheiten unterteilten z.B. den großen Saal im ersten Obergeschoss auf zwei Ebenen. Die Idee des Bauunternehmers setzte sich jedoch nicht durch. Im Jahre 2003 wurde daraufhin das Haus versteigert.
 
Eine Bauherrengemeinschaft erwarb das Anwesen und begann eine denkmalgerechte Grundsanierung. Die störenden kleinen Büroeinheiten wurden wieder entfernt, Säulen behutsam freigelegt, Durchgänge und Räume nach alten Plänen des Hofbaumeisters Ravensteyn wiederhergestellt. Nicht mehr vorhandener Stuck, Parkettböden und die historische Freitreppe zur Hofstrasse wurden rekonstruiert. Im Dachgeschoß und im linken Seitenflügel schuf man großzügige Büros, teilweise über zwei Ebenen.
Nach Beendigung der größten Sanierungsarbeiten konnte das Coenenpalais im Jahre 2007 mit einem Empfang wieder eröffnet werden. Heute können die repräsentativen Räume für Veranstaltungen gemietet werden. Drei Säle, unterschiedlicher Größe und das repräsentative Vestibül mit der historischen Marmortreppe, eignen sich hervorragend für Hochzeiten, Familienfeste, Konzerte, Lesungen, Vernissagen und vieles mehr.
Aus dem geschichtsträchtigen Haus ist nach 300 Jahren wieder ein stilvolles Palais für die Bevölkerung geworden.