Johann II von Baden

Markgraf und Erzbischof von Trier

geboren: 1430
gestorben: 09. Februar 1503 in Ehrenbreitstein

Er ist der Sohn des Markgrafen Jakob I. von Baden und Katharina von Lothringen.
Johann kam eine streng religiöse Erziehung zu Teil, die ihn schon früh für ein kirchliches Amt auszeichnete. Viele seiner Geschwister nahmen auf drängen ihres Vaters ein religiöses Amt ein, daher verwundert es nicht, dass Johann Erzbischof in Trier wurde.

Die große Zahl der aus der Regierungszeit Johanns II. im Landeshauptarchiv Koblenz erhaltenen Urkunden und Dokumente zeigen, dass er bereits unmittelbar nach seiner Wahl eine vielfältige Tätigkeit aufnahm und entfaltete. Die Trierer Bistumschronik, die "Gesta Trevirorum" beschreibt Johann als einen Mann des Friedens und des Rechts. "Während seiner ganzen Regierungszeit bemühte er sich mit höchster Gemühtsruhe um den Frieden, mehr als man vorher jemals erfuhr. Wenn nämlich manchmal Neider und Räuber als Feinde eingedrungen waren, wollte er lieber mit diesen im Kleinen übereinkommen, als Schäden, Brände und derartiges seiner Untertanen in Kauf nehmen." Obwohl Johann als "einer der Hauptvertreter der habsburgischen Politik im Westen des Reiches" galt, lag seine Schwerpunktsetzung nicht in der Reichspolitik sondern vielmehr in dem Bemühen, die finanzielle Situation des Erzbistums zu verbessern und den Machtanspruch innerhalb der Grenzen seiner erzbischöflichen Zuständigkeiten zu erneuern und zu sichern. In der Zeit der sogenannten Reichsreform stand damit die Trierer Politik ganz im Schatten des Mainzer Kurfürsten Berthold von Henneberg.

 Eine der Ausnahmen war die Mainzer Stiftsfehde, die im Jahre 1459 aufgrund der Wahl Dieters von Isenburg--Büdingen zum Mainzer Erzbischof entstand. 1561 wurde der Gegenkandidat Friedrichs III. eingesetzt. Adolf von Nassau- Wiesbaden-Idstein ging nicht zuletzt aufgrund der aktiven Unterstützung durch Johann II. erfolgreich aus diesem Streit hervor, was zu einer deutlichen Verbessung der Beziehungen zwischen Trier und Mainz führte. Ein weiteres reichspolitisches Ereignis, das in die Regierungszeit Johanns II. fiel, war die Zusammenkunft Karls des Kühnen mit Kaiser Friedrich III. im Jahr 1473 in Trier. Die Gespräche, die eine Heirat zwischen Maximilian, dem Sohn Kaiser Friedrichs III. und Maria, der Tochter Karls des Kühnen herbeiführen sollten, scheiterten. An den folgenden kriegerischen Zusammenstößen zwischen Herzog Karl und dem Erzstift Köln nahm Johann persönlich teil. Im Jahre 1477 konnte er gemeinsam mit seinem Bruder Georg eine Einigung und die Heirat zwischen Maximilian und Maria erreichen.

 Eng verbunden mit dem Namen Johanns II. sind auch die Klosterreformen, die bereits unter seinem Vorgänger angestoßen worden waren. Eine Synode befasste sich 1495 intensiv mit diesem Problem. Hier wurde versucht, "die vielfach verwilderte und vom Unkraut überwucherte Sittlichkeit des Klerus wie einen mit Dornengestrüpp bewachsenen Acker gründlich zu reinigen." Mit seinem Eingriff in die innere Verfassung der Klöster und Stifte, bei dem er auch nicht vor Gewaltanwendungen zurückschreckte, gelang es ihm, seinen Herrschaftsanspruch im geistlichen Bereich seiner Zuständigkeiten durchzusetzen. Als ein weiterer Erfolg ist die Gründung der Universität Trier zu nennen, die am 16. März 1473 eröffnet werden und aufgrund seiner Unterstützung mit finanzieller Absicherung die Arbeit aufnehmen konnte. Trotz der schwierigen finanziellen Situation des Erzstifts entwickelte Johann im Laufe seiner langen Regierungszeit eine sehr rege Bautätigkeit. Den "Gesta Trevirorum" ist zu entnehmen, dass fast alle Burgen und Schlösser des Erzstifts wiederhergestellt und einige völlig neu errichtet wurden.

 Die enge Verbundenheit Johanns mit seiner Familie hatte bis zum Ende seiner Regierungszeit Bestand. Im Jahre 1499 ernannte er seinen Großneffen Jakob von Baden mit dem Hinweis auf sein Alter und seinen gesundheitlichen Zustand zum Koadjutor, zu seinem Amtsgehilfen mit dem Recht der Nachfolge, und erhielt dafür nicht nur die Zustimmung der Mehrheit des Domkapitels, sondern auch die Unterstützung von Kaiser und Papst. Am 21. Januar 1503 übergab Johann die Herrschaft an Jakob von Baden und starb schließlich am 9. Februar 1503 in Ehrenbreitstein. Während seiner fast 47jährigen Regierungszeit hatte Johann II. von Baden sich "als eher unauffällig agierender Landesherr" gezeigt, dem es allerdings mit seiner Schwerpunktsetzung auf eine innere Konsolidierungspolitik gelang, deutliche Modernisierungsansätze zu installieren.